„Oktoberfest“ bei Pirol in Köln: Hören und hören lassen

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Ein Oktoberfest im Rheinland, mit Weißwurst und Brezel, klingt eher wie die wenig originelle Idee einer Brauerei und weniger nach einem HiFi-Event. Wer trotzdem kam (und einen Parkplatz fand, die Bahn wurde bestreikt, so dass die Zuschauer eines Fußball-Bundesligaspiels mit dem Auto und viel Lärm anreisten), merkte aber schnell, dass es um aktive Lautsprecher ging.

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Offenbar hatte sich Ralph Gottlob mehr Gedanken zum Inhalt als zu Lenkung und Einteilung der Besucher gemacht, zumindest hätte für etwa 60 Gäste der Platz im Laden nicht ausgereicht. Die rheinische Unbekümmertheit wurde aber belohnt mit sonnigem Wetter, so dass die Geselligkeit im Freien stattfinden konnte, während drinnen die Musik spielte. Diese Aufteilung war dann auch sehr hilfreich, denn die Themen im Hörraum hatten Aufmerksamkeit im kleinen Kreis verdient: Drei junge oder ganz junge Hersteller wagten sich an Zweiwegekonzepte, also Konstruktionen, die technisch anspruchsvoller und viel weniger „fehlertolerant“ sind als große Anordnungen mit vielen Kanälen. (Mehr zur Technik der drei vorgestellten Boxen im nachfolgenden Beitrag.)

Drei Mann in einem Boot

Drei konkurrierende Produkte bei einer Veranstaltung? Dass das hier funktioniert hat, lag einfach daran, dass die Konstrukteure eigene Vorstellungen hatten, statt sich durch hämische Besserwisserei auf Kosten anderer profilieren zu wollen. Die Regie von Ralph Gottlob unterstützte diese Toleranz und unterschied sich damit angenehm von Event-Marketing: Ideen wurden besprochen, nicht „verkauft“, Kommunizieren statt Dozieren also und mit dieser rheinischen Offenheit wurde ein weißblaues Oktoberfest zu einer guten Werbung für den HiFi-Gedanken.

Wer hat gewonnen?

Die Welt will Sieger sehen, genau das hat die Vorführung aber nicht geliefert. Die Besucher hatten den Eindruck, dass die Schanks-Audio (mit Regelung) die Nase vorn hatte, die Merovinger eine interessante Alternative ist und die M-Box von CM-Audio noch Verbesserungspotential hat (ohne Ironie, es wird tatsächlich noch daran gearbeitet). Wegen des „open-door“-Stils mit viel Umgebungslärm waren zwar die Informationen aufschlussreich, konzentriertes Hören geht aber in Ruhe und im kleinen Kreis deutlich besser.